Sozietät
Dr. Oexmann

Sportrecht

STANDARD DER WORLD PLAYERS ASSOCIATION FÜR ENTWICKLUNG, WOHLBEFINDEN, VEREINSWECHSEL UND KARRIEREENDE, PARIS 2017

Veröffentlicht von Dr. jur. Burkhard Oexmann am 2018-01-04

(Übersetzung aus dem englischen Urtext)

E.Spielerrechte


  1. Stellen Sie sicher, dass die Entwicklung, das Wohlbefinden, der Vereinswechsel und das Karriereende der Spieler von Sportvereinen und Arbeitgebern auf internationaler, regionaler und nationaler Ebene als fundamentale Spielerrechte angesehen werden. Dementsprechend sollten sie den Spielern, die als professionelle Athleten arbeiten und daher oft den Wohnort wechseln, zugänglich gemacht werden.
  2. Führen Sie die Grundsätze für Spielerrechte [Player Rights Policy] ein und wenden Sie diese bei Spielerverträgen, Vorschriften, Normen, Grundsätzen und Vorgehensweisen an.
  3. Entwickeln und führen Sie bei Spielerverträgen, Vorschriften, Normen, Grundsätzen und Vorgehensweisen die Leitprinzipien der Vereinten Nationen [United Nations Guiding Principles (UNGPs)] zu den Themen „Schützen, respektieren und beheben“ ein und wenden Sie diese an.
  4. Bieten Sie im sportlichen Bereich und am Arbeitsplatz ein Umfeld, das den Grundsätzen für Spielerrechte entspricht und gemäß den UNGPs zu den Themen „Schützen, respektieren und beheben“ umgesetzt wird. Dazu ist mindestens folgendes erforderlich:
    1. Einführung von Grundsätzen für Spielerrechte, die der Player Rights Policy entsprechen.
    2. Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen, damit das Risiko einer Verletzung der Spielerrechte bewertet und entschärft werden kann.
    3. Sicherstellung, dass ein Spieler bei der Verletzung seiner Rechte Zugang zu effektiven Abhilfemaßnahmen hat, und
    4. Berichtswesen, Kontrolle und Kontakt zu Spielern, Spielerverbänden und rechtmäßigen Spieler-Repräsentanten im Hinblick auf die Anwendung der Grundsätze für Spielerrechte und der Leitprinzipien der Vereinten Nationen.
  5. Stellen Sie bei minderjährigen Spielern sicher, das seine oder ihre Kinderrechte gemäß der Erklärung der World Players zum Schutz der Kinderrechte im Sport1, einschließlich der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes [United Nations Convention on the Rights of the Child2], geschützt sind.



Anlage 1 – Grundsätze für Spielerrechte der World Players Association




World Players Association


GRUNDSÄTZE FÜR SPIELERRECHTE DER WORLD PLAYERS ASSOCIATION
(verabschiedet am 13. Juli 2017)


Einführung



Fußballspieler sind in erster Linie Menschen und danach erst Athleten. Hinzu kommt, dass sie dem Sport ein Gesicht geben und dass ihre sportliche Leistung maßgeblich zum Ansehen, zur Beliebtheit und zum Überleben des Sports beiträgt.

Der Sport wird von internationalen Sportverbänden, nationalen Sportorganisationen, professionellen Sportligen, Arbeitgebern, der Wirtschaft und von Regierungen kontrolliert.

Die Arbeit professioneller Spieler ist naturgemäß sehr gefragt, qualifiziert und dennoch risikoreich und gefährlich. Eine Arbeitsbedingung ist, dass sich die Spieler den Regularien des Sports beugen müssen, welche in ihrer Komplexität und Thematik außergewöhnlich und weitreichend sind. Diese Regularien sind gemäß nationaler Gesetze zunehmend nicht justiziabel. Daher befinden sich Spieler an der Schnittstelle zwischen Sport und Menschenrechten.

Der Sport steht in der Pflicht, die inhärente Würde und Gleichberechtigung aller anzuerkennen, die an Aktivitäten beteiligt sind oder davon beeinflusst werden, einschließlich der Spieler. Für die Kontrolleure des Sports ist der Ausgangspunkt der, dass sie Grundsätze für Spielerrechte einführen, in denen sie sich zumindest zu den hier dargelegten Grundsätzen verpflichten und ihren Pflichten nachkommen und diese Grundsätze in die gesamte Organisation einbetten, damit sichergestellt ist, dass die Menschenrechte der Spieler geschützt, respektiert und garantiert werden.


Verpflichtung zu Spielerrechten



Leitprinzipien der Vereinten Nationen für die Wirtschaft und für Menschenrechte
1. Der Sport muss sich dazu verpflichten, die Spielerrechte gemäß den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGPs) zu schützen, zu respektieren und zu garantieren.

International anerkannte Menschenrechte
2. Die Verpflichtung des Sports gemäß § 1 muss alle international anerkannten Menschenrechte umfassen, einschließlich derer, die in der Internationalen Menschenrechtscharta [International Bill of Human Rights] (bestehend aus der Internationalen Menschenrechtserklärung [Universal Declaration of Human Rights] und dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte [International Convent on Civil and Political Rights], dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte [Convenant on Economic, Social and Cultural Rights], der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit und deren Folgeerklärungen [International Labour Organization’s Declaration on Fundamental Principles and Rights at Work and its Follow-Up] sowie in der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes dargelegt sind. Des Weiteren ist der Sport verpflichtet, die Menschenrechte der Athleten gemäß der Überarbeiteten Charta der UNESCO über Leibeserziehung, sportliche Betätigung und Sport 2015 [(UNESCO) Revised Charter on Physical Education, Physical Activity and Sport 2015] zu unterstützen.


Proaktive Verpflichtung zu Spielerrechten
3. Der Sport muss seinen Verpflichtungen im Hinblick auf die Rechte der Spieler proaktiv nachkommen. Dazu muss der Sport folgendes tun:
  • Den Spielern ein Umfeld bieten, das gut geführt und frei von Korruption, Manipulation und Betrug ist und in dem die Menschenrechte jeder im Sport tätigen oder davon beeinflussten Person, einschließlich der Spieler, geschützt, respektiert und garantiert werden.
  • Gründliche und permanente Due-Diligence-Prozesse durchführen, um zu vermeiden, dass Vorgänge negative Folgen für die Spielerrechte hervorrufen oder diese beeinflussen.
  • Bei Beziehungen, die zu negativen Folgen für die Spielerrechte beitragen, eine Hebelwirkung ausüben.
  • Wenn Spielerrechte negativ beeinflusst werden, muss dies thematisiert, vermieden, entschärft und korrigiert werden.

Hauptsächliche Risiken für Spielerrechte
4. Zu den hauptsächlichen Risiken für Spielerrechte zählen im Sport:
  • Das Recht der Spieler auf Chancengleichheit, indem ihnen der freie Zugang zum und die Freude am Sport verweigert wird. Dazu gehören Diskriminierung, Belästigung oder Gewalt aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Geburt, Alter, Sprache, sexueller Orientierung, Geschlecht, Schwangerschaft, Religion, politischen oder anderen Überzeugungen, der Verantwortung als Betreuer(in), einer Eigenart oder eines anderen Umstands. Dazu zählen auch die Verletzung der Rechte von Kinderathleten, einschließlich Kinderhandel und sexueller Missbrauch.
  • Die Nichtanerkennung der fundamentalen Arbeitsrechte der Spieler. Dazu zählen das Recht auf Arbeit, die freie Wahl des Arbeitsplatzes und das Recht auf Freizügigkeit. Das Recht der Spieler, sich zu organisieren, Tarifverhandlungen zu führen und Spielerverbände zu gründen mag ebenso nicht respektiert und unterstützt werden. Zu den anderen Problemen gehören, dass die Spieler nicht fair und angemessen entlohnt werden und ihnen keine fairen und angemessenen Arbeitsbedingungen geboten werden, ihr Gehalt nicht rechtzeitig gezahlt und gleiches Geld für die gleiche Arbeit bezahlt wird. Des Weiteren können Spieler unsicheren und gefährlichen Bedingungen ausgesetzt sein, wie zum Beispiel ein Übermaß an Training und Spieleinsätzen, unzureichende medizinische Versorgung, Doping, Gehirnerschütterungen und Sicherheitsrisiken, weil der Sport im Fokus der Öffentlichkeit steht. All dies birgt erhebliche Risiken für die körperliche und geistige Gesundheit der Spieler und für ihr soziales Wohl.
  • Die harten Anforderungen, die an die Spieler in ihrer sportlichen Karriere gestellt werden, insbesondere an junge Menschen, erfordern Maßnahmen, damit sichergestellt ist, dass die Spieler Zugang zu Bildung haben und dass ihre Privatsphäre, ihr Name, Image und ihre Daten geschützt werden. Das Recht der Spieler auf freie Meinungsäußerung und eine Meinung mag auch eingeschränkt sein.
  • Spieler können auch Anforderungen des Sports ausgesetzt sein, bei denen ihre grundlegenden gesetzlichen Rechte verletzt oder nicht respektiert werden, einschließlich dem Recht auf ein ordnungsgemäßes Gerichtsverfahren, eine faire Anhörung und dem Recht auf Zugang zu effektiven Rechtsmitteln, wenn Spielerrechte nicht respektiert und gewahrt werden.


Pflichten bei Spielerrechten



Grundsätze für Spielerrechte
5. Damit die Verpflichtung zu den Spielerrechten effektiv unterstützt wird, muss der Sport sie von der Spitze der Organisation über alle Ebenen hinweg in seine Arbeit einbeziehen. Dies muss in einer kohärenten Weise geschehen, wie zum Beispiel in den regulatorischen Rahmenbedingungen des Sports oder gemäß Tarifvertrag. Wenn sich in einer Sportart die Verpflichtung zu den Spielerrechten von nationalen Gesetzen oder Regelungen oder vom Sportreglement selbst unterscheidet oder damit kollidiert, dann muss der Sport dem höheren Standard folgen.

Due Diligence bei Spielerrechten
6. Um die Auswirkungen des Sports auf die Spielerrechte zu identifizieren, zu vermeiden, zu entschärfen und nachzuweisen, wie der Sport die Spielerrechte thematisiert, muss der Sport bei den Spielerrechten eine Due-Diligence-Prüfung durchführen. Die fortlaufenden Prozesse müssen die tatsächlichen oder potenziellen Auswirkungen auf die Rechte der Spieler, die Einbeziehung der und die Reaktion auf die Prüfungsergebnisse sowie die Nachverfolgung der Reaktionen beinhalten und in transparenter Weise vermitteln, wie derartige Auswirkungen thematisiert werden.

Zugang zu effektiven Abhilfemaßnahmen

7. Wenn der Sport erkannt oder bemerkt hat, dass er negative Auswirkungen auf die Spielerrechte hervorgerufen oder dazu beigetragen hat, dann muss er rechtmäßige Abhilfeverfahren bereitstellen oder daran mitwirken. Diese müssen für eine frühe und direkte Behebung der Missstände sorgen. Solche Beschwerdeverfahren müssen den Anforderungen des Leitprinzips Nr. 31 der UNGPs entsprechen, indem sie rechtmäßig, zugänglich, vorhersehbar, angemessen, transparent, rechtskonform und eine Quelle für fortlaufende Lernprozesse sind, die auf Engagement und Dialog beruhen. Die Spieler und andere Beteiligte müssen von solchen Abhilfeverfahren Kenntnis haben, diesen vertrauen und sie nutzen können.

Einbindung der und Kommunikation mit den Spielern
8. Im Hinblick auf das Bemühen um und die Aktivitäten der Spieler für Spielerrechte muss sich der Sport in einer strukturierten Weise permanent mit den Spielern und deren rechtmäßigen Repräsentanten befassen, einschließlich globaler, regionaler und nationaler Spielerverbände. Zu dieser Einbindung muss eine offene, transparente und auf Recherche beruhende Kommunikation gehören, damit die Verletzung von Spielerrechten vermieden und korrigiert werden kann und die Verpflichtung des Sports zu den Spielerrechten und die damit verbunden Pflichten unterstützt wird.

Verbindliche Grundsätze

9. Die Verpflichtung zu und die Pflichten des Sports im Hinblick auf die Rechte der Spieler, einschließlich des in § 5 der Grundsätze für Spielerrechte Dargelegten, müssen für den Sport, dessen Gremien und Offiziellen bindend sein, einschließlich der Anwendung und Interpretation der Regularien des Sports.

 

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